Smartes Fahrrad – vernetztes Radfahren

Im Vorfeld der Eurobike nahm ich an der „Smarter Cycling“ Konferenz, der European Cycling Association, teil. Dieses Thema interessiert mich besonders aufgrund meiner selbstständigen Tätigkeit im Bereich digitales Business. Bisher dürfte die Fahrrad-Industrie die Digitalisierung verschlafen haben. Man wundert sich, warum es Initiativen der Telekomunternehmen wie Vodafone und jungen, neuen Unternehmen braucht, um intelligente Anwendungen für Fahrräder zu entwickeln. Die Gefahr, dass die Automobilindustrie in den Fahrrad-Markt einsteigt und die eingesessenen Fahrrad-Hersteller binnen kürzester Zeit überflügelt, wurde ebenfalls in den Raum gestellt. Der Appell ist, sich als Fahrrad-Hersteller weitläufiger zu positionieren. Als Mobilitätsanbieter, denn Mobilität ist mehr als ein Produkt auf zwei Rädern. Vor allem jetzt in diesen vernetzten Zeiten.

Was kann das intelligente Rad?

Beispielsweise ist durch die Kooperation von Vodafone und ZEG (Verbund von 960 unabhängigen Fahrrad-Fachhändlern in Deutschland) ein vernetztes E-Bike der Marke ZEMO entstanden. Im Fahrrad eingebaut ist eine SIM Karte durch die das Rad ständig mit dem Internet verbunden ist und Standortdaten an die Vodafone Cloud sendet. Über eine Smartphone App kann man das Rad immer lokalisieren, wodurch Diebstahl verhindert werden soll. Sobald jemand das Rad aus dem voreingestellten Bereich entwendet, erhält man einen Alarm über die App und kann sofort die Polizei informieren.

Diebstahl-Sicherheit und Bike-Sharing

Über die App kann man zudem zahlreiche Informationen wie Streckenverläufe, Durchschnittsgeschwindigkeiten oder Kalorienverbrauch einsehen. Auch privates Bike-Sharing wird dadurch einfacher. Das Rad und die App können mit anderen Personen geteilt werden. Zum Beispiel kann man mit dem Rad zur Arbeit fahren, es absperren und in der Zwischenzeit kann eine Freundin das Rad aufschließen und benutzen. Sie kann es woanders abstellen und es ist leicht zu lokalisieren.

Fahrrad ABS kommt 2018

Die Firma Bosch hat im Juni das erste Fahrrad ABS System präsentiert, welches 2018 auf den Markt kommen wird. Trial Vize-Weltmeister und eMTB Profi Stefan Schlie demonstriert das neue Bosch E-Bike ABS:

Vernetztes Bike

E-Bikes bringen Schwung in den Markt und vergrößern die Aufmerksamkeit, die den Zweirädern zukommt. Der nächste Schritt wird die automatische Schaltung sein, an der bereits gearbeitet wird. Man vermutet, dass in spätestens fünf Jahren alle Devices, die man beim Rad benötigt und derzeit extra zukauft, direkt in das Rad eingebaut sind.

Comodule ist beispielsweise ein Unternehmen aus Berlin, das Hardware und Komponenten produziert, die per Software Räder und Scooter vernetzen. Mit ihrer App kann man zum Beispiel eine Fahrrad-Versicherung bei der Helvetica abschließen. Oder die Fahrrad Einstellungen überprüfen, sich vernetzen und direkten Support vom Hersteller des Rades anfordern.

Head Display

MOMES hat in Kooperation mit ABUS, das erste Display für den Helm entwickelt. Ähnlich wie bei Google Glass kann man aktuelle Daten ablesen oder die Route angezeigt bekommen, ohne auf den Lenker sehen zu müssen.

Echtzeitdaten von Ausdauer-Rennen zum Beispiel Triathlon

Die Firma Quarq aus Dakota, USA bietet eine App für Zuseher bei Radrennen und Triathlons. Die Echtzeitdaten der TeilnehmerInnen werden über die Cloud laufend analysiert und zur Verfügung gestellt. So weiß man als Fan immer, wo die eigene Favoritin liegt und auch wo man sie anfeuern kann.

Was wird mit den gewonnenen Daten der Radfahrer gemacht?

Die Softwarehersteller haben sich alle auf die existierenden Datenschutzregeln in Deutschland und Österreich berufen, die sie wie sie sagen, einhalten. Ein schwammiges Feld, wie generell der Umgang mit unseren Userdaten.

Die Fahrradhersteller können ihre Bikes durch die Erkenntnisse weiterentwickeln. Zum Beispiel überträgt die elektronische Schaltung eTap von SRAM die Schaltvorgänge der UserInnen über die App in die Cloud von SRAM, wo sie für technische Weiterentwicklungen verwendet werden. Für die Schaltautomatik beim Rad stehen den Herstellern noch zu wenig Daten zur Verfügung.

Wirklich vorteilhaft ist, dass die anonymisierten Streckendaten in den Städten für die Verkehrsplanung verwendet werden könnten und sollten. Stichwort „Smart City“. Die Daten der Radfahrenden können so helfen, dass die Städte erkennen wie wichtig der Radverkehr ist. Der Einzug der autonomen Autos könnte bewirken, dass das Fahrrad wieder raummäßig zurückgedrängt wird.

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