Es ist nie zu spät anzufangen. Was uns ein junger Radreisender zeigt.

Clément Mas

Clément Mas bereist die Welt mit dem Fahrrad und ist Gründer von Travelmap.net. Sein Schlüsselerlebnis war seine Australien Durchquerung. Das ist seine Geschichte und das können wir von ihm lernen.

Ein junger, gut ausgebildeter Franzose namens Clément Mas lehnte 2012 ein Jobangebot eines aufstrebeneden Londoner Start Ups ab. Niemand verstand das. Wieso nimmt ein junger Web Developer kein längerfristiges Jobangebot an? Doch er hatte einen anderen Plan. Er wollte seinen Traum leben. Einfach so. Nur für sich.

Eine Reisende aus Thailand besuchte seine Schule und zeigte ihm als Jugendlicher auf einer Karte die „S“-Form von Thailand. Das hatte Eindruck auf ihn gemacht, so stark, dass daraus die Idee entstand, selbst auch einmal Schulen zu besuchen und Kindern von seinen Reisen zu erzählen.

Also begann er abwechselnd 6 Monate zu arbeiten und ein paar Monate auf Reisen zu gehen. Er verkaufte alle Dinge, die er besaß und machte sich mit 2 kleinen Koffern auf den Weg nach Australien. Er hatte ein „Working Holiday“ Visum für 1 Jahr. 3,5 Monate vor Ablauf des Visums beschloss er 2.000km mit dem Rad bis nach Adelaide zu fahren.

In dem Radladen, wo er sein Rad kaufte, schüttelte der Verkäufer nur den Kopf als Clément ihm von seinem Plan erzählte. Schnell war ihm klar, dass er in Zukunft weniger auf die Meinung anderer hören würde, weil viele Leute negativ oder zumindest sehr reserviert reagierten.

Die Schwierigkeiten in Australien für Überlandfahrten mit dem Fahrrad sind nicht zu unterschätzen. Es gibt keine Radwege oder kleine Nebenstraßen. Nur den Highway für alle. Es herrscht Schwerverkehr. Im wahrsten Sinn dees Wortes. Die Trucks in Australien sind riesig und bestehen aus mehreren Anhängern. Es sind Züge auf Rädern. Sie haben keine eigenen Geschwindigkeitsbegrenzungen und fahren auf den ewig langen geraden Straßen in sehr zügigem Tempo dahin. Sind sie in Fahrt haben diese Kolosse einen langen Bremsweg. Für Radfahrer ausweichen, ist nicht nur lästig, sondern kaum möglich. Ohne seinen Rückspiegel hätte Clément nicht mehrmals ins rettende Straßenbett flüchten können.

Roadtrain in Australien

Geschlafen wurde im Nirgendwo neben der Straße. Zelt aufgestellt und gut war es. Bloß ist Australien das Land mit den meisten giftigen Tieren, also muss man auf die auch extra aufpassen. Keine Schuhe liegenlassen, die Kleidung kontrollieren, schauen, dass sich nichts ins Zelt geschlichen hat. Und am besten Nachts nicht rausgehen.

Dann die Wasserversorgung. Was macht man, wenn mehrere hundert Kilometer zwischen den Roadhouses liegen und die Luft heiß ist. Man schwitzt und soll viel trinken. Also nahm Clément auf die ersten Etappen viel Wasser mit. Das machte die Tour beschwerlich. In den Roadhouses gab es nur Wasser in Flaschen und eine kleine Flasche kostete 5 Dollar. So kam Clément auf die Idee Touristen in ihren großen Wohnwagen zu fragen, ob er ein wenig Wasser habe könnte. Da ein Radfahrer so ziemlich das Seltenste ist, was einem auf einem australischen Highway begegnen kann, waren die Menschen alle sehr freundlich und verwundert zugleich. Gerne spendierten sie ihm Wasser aus ihren Tanks. Mit vielen kam er ins Gespräch. Hauptsächlich ältere Menschen, die sich in der Pension ihren Traum vom Reisen verwirklichten. Alle waren erstaunt, dass Clément sich auf diesen beschwerlichen Weg macht, wo es doch schon im Auto anstrengend ist. Aber er bekam ausschließlich positives Feedback. Viele erzählten ihm von ihren Träumen, die sie in jungen Jahren hatten, bloß hatten sie dann auch gleich Job, Haus und Familie.

Australia Trip auf Travelmap.net

Aus den geplanten 2.000km von Sydney nach Adelaide wurde eine Durchquerung von Australien und 15.000km.

Als Clément nach diesen 15.000km auf dem Fahrrad erstmals wieder in einer Unterkunft schlief, war er dankbar für eine Dusche und ein Bett. Er sagt, diese Dinge sind uns überhaupt nicht bewusst. Dass wir in der westlichen Welt einen Luxus als Standard haben, der in anderen Ländern undenkbar ist. Sein Fahrradtrip durch Australien war ein Schlüsselerlebnis für ihn. Er erkannte, dass es die Menschen inspirierte seine Geschichte zu hören. Seither ist er davon überzeugt, dass es sein Ziel ist andere Leute dazu inspirieren über die eigenen Grenzen zu gehen. Im Sommer fährt er mit Interessierten von Berlin nach Kopenhagen. Die TeilnehmerInnen wollten alle immer schon mal so etwas machen, haben es sich aber nicht zugetraut. Clément ist der Enabler, er zeigt ihnen nicht nur den Weg, sondern gibt Tipps für alleinreisende RadfahrerInnen.

Clément Mas

Diesen Weg will er weiter gehen. Seine Vision ist eine Community von Menschen zu unterstützen und inspirieren nachhaltig zu reisen. Mit dem Rad oder wandernd. Für seine erste Reise programmierte er eine Website auf der er seine Route verzeichnete, sodass seine Familie und FreundInnen tagesaktuell sahen, wo er sich gerade befand. Irgendwann erkannte er, dass seine Seite auch ohne Werbung oder Suchmaschinenoptimierung auf Google sehr gut gefunden wurde und öffnete die Seite als Travelblog für Andere. Aus dieser Seite ist travelmap.net mit rund 20.000 Usern geworden. Zu Beginn wollte er die Seite völlig kostenfrei anbieten. Aufgrund der großen Datenmengen (Bilder, Videos) entstehen aber Kosten für das Webhosting. Da er keine Werbung schalten wollte, führte er ein Premium Modell ein. Travelmap.net ist mittlerweile kostendeckend und Clément kann davon leben.

Clément sprüht vor Ideen, seine Augen glänzen, wenn er von seiner Vision und seinen Plänen erzählt. Ein paar Jahre will er noch auf Tour sein. Menschen kennenlernen und etwas weitergeben. Er hat erkannt, dass seinen Traum zu leben nicht nur ein Traum für ihn selbst sein kann, sondern dass der Sinn im Geben liegt. Nicht in Egoismus und Konsum.

Was können wir von seiner Geschichte lernen?

#1

Sprich über Deine Pläne, aber nimm nicht jedes Feedback ernst. Menschen projizieren oft ihre eigenen Ängste auf Dich.

#2

Wer an ungewöhnlichen Orten mit ungewöhnlichen Mitteln auftaucht, wird unterstützt.

#3

Es ist nie zu spät, die eigenen Träume zu verwirklichen.

#4

Wer alleine reist, ist nie allein.

#5

Auf sich alleine gestellt, greift man zu ungewöhnlichen Mitteln und wird mutig.

#6

Jedes Gespräch mit Menschen über deine Vision schärft deine Gedanken und deinen Blick für das Wesentliche wird klarer.

#7

Ausdauer ist das Wichtigste. Nicht aufgeben. Niemals.

#8

Der erste Schritt ist der schwerste und gleichzeitig der wichtigste.

#9

Wo ein Wille ist, ist ein Weg. Unser Wille ist stärker als unser Körper.

#10

Geben ist die Voraussetzung, dass etwas zurückkommt. Wer gibt, der bekommt.

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2 Kommentare auf "Es ist nie zu spät anzufangen. Was uns ein junger Radreisender zeigt."

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Oskar
Gast
Die Philosophie des „ewigen Reisens“ hat was…. bleibt aber für die Mehrheit nur ein Traum. Zum Glück könnte man sagen! Denn in der heutigen Zeit geht die egoistische Reise immer nur auf Kosten Anderer. Unter dem Motto, die „Anderen“ hackeln für mich, bauen die Straßen, zahlen in Sozialsysteme ein, kümmern sich um essbares usw. Ich als egoistisch Reisender nutze natürlich all diese Errungenschaften und erfreue mich an meinen Reisen…. Ich glaube, dass 98,5% unserer Zivielgesellschaft für so ein „Reiseleben“ nicht annähernd fähig ist. Allerdings 1 Monat reisen im Jahr, erweitert den eigenen Horizont ungemein…. Mein Motto: Leben ist gleich erleben….… Weiterlesen »
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