Olympia, Sport und überhaupt: Die Leistung zählt, nicht das Geschlecht oder Aussehen

Die olympischen Spiele sind für weibliche Radsportlerinnen das wichtigste Ereignis. Denn es sind die einzige Bewerbe, die große mediale Aufmerksamkeit und Berichterstattung bekommen. Den Rest der Saison werden fast keine Frauenbewerbe im TV übertragen, schon gar nicht live. Frauen werden weniger gut bezahlt und finden weniger Sponsoren. Die Katze beisst sich in den Schwanz. Wenig Medieninteresse, wenig Sponsoreninteresse, wenig Geld für die Frauen, wenig junge Athletinnen kommen nach.

Die Gründe sind vielfältig. Doch ein Grund ist nicht zu übersehen. Dass Frauen in den Medien – und daher auch im Großteil der Gesellschaft – immer noch als Beiwerk gesehen werden. Die Leistungen der Frauen, seien eh schön. Sollen Frauen wirklich Rugby spielen? Ist schon hart. Und beim Beachvollyball sollen sie bitte möglichst knappe Hosen tragen, man(n) will ja auch was fürs Auge haben.

beachvolleyball

Hier ein paar Beispiele – und nein, das Argument „haben wir keine wichtigeren Probleme“ zählt nicht. Denn die Art und Weise wie Frauen dargestellt werden, ist ein Sinnbild des Umgangs in unserer Gesellschaft. Solange Frauen nicht wirklich gleichberechtigt und gleichbeteiligt an Wirtschaft, Sport, Politik etc. sind, solange ist die Diskrimierung von Frauen ein wichtiges Problem.

In der September 2016 Ausgabe des Mountainbike Magazins BIKE, eine der oder die größte Zeitschrift im deutschsprachigen Raum, findet sich dieser Satz:
Bike

Liebe BIKE, schreibt doch mal diesen Satz in einem eurer Berichte: „Nino Schurter stürzte schwer beim letzen Weltcuprennen. Der hübsche Schweizer ist aber wieder am Weg der Besserung.“ Kommt euch komisch vor? Ja, und jetzt mal kurz überlegen, warum das bei Frauen „üblich“ ist.

Es geht um den Sport. Es geht um die Leistung. Nicht darum, ob eine der Sportlerinnen hübsch ist oder nicht. Und überhaupt, was bedeutet das?

Noch schlimmer dieses Beispiel. Ein Posting der Facebook Seite „rad-net“.

Facebook Posting: rad-net

Sie meinen, es sei nicht sexistisch. Die Olympiateilnehmerin im BMX habe freiwillig an dem Fotoshooting teilgenommen. Liebes rad-net, nur weil ihr und sie nicht wisst, was das Wort „sexistisch“ bedeutet, ist es immer noch sexistisch, ob freiwillig oder nicht. Ich nehme ja an, dass der Playboy und ihr niemanden dazu zwingt sich auszuziehen.

Mit solchen Bildern werden Frauen auf ihren Körper reduziert und gleichzeitig werden sie lächerlich gemacht. Stellt euch doch bitte mal Dan Atherton in so einer Pose vor. Kommt euch komisch vor? Ja, ist es auch. Weil Männer stellt man nicht so dar. Sie lassen das auch nicht mit sich machen. Weil bei ihnen das mediale Interesse und das Geld der Sponsoren NICHT in der Hauptsache von ihrem Aussehen abhängt, sondern von ihrer Leistung. Und genau das ist das Problem im Frauensport. Dass (mehr) Geld kommt, wenn frau sich entsprechend darstellt.

Und nein: das Argument, dass Frauen auch Bilder von Männern und ihren Sixpacks gefallen und daran sei nichts Schlimmes – das zieht nicht. Es ist kein gleicher Vergleich. Wir können nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen. Die Basis ist eine total andere. Solange Frauen NICHT den gleichen Anteil, an Kohle, Macht und Mitsprache haben wie Männer, solange ist es nicht ok.

Rachel Atherton, der Weltklasse Downhillerin ist vor kurzem der Kragen geplatzt, weil ihre Leistung oft damit begründet wird, dass sie ja mit ihren Brüdern trainieren konnte.

rachel-atherton

Noch ein Beispiel – das nennt sich „Mansplaining“, falls ihr den Ausdruck noch nicht kennt. Das ist das, wenn Männer den Frauen erklären wie die Welt funktioniert. Das Problem ist, dass uns das allen gar nicht auffällt. Bis zu dem Moment, wo wir achtsam werden und plötzlich ist es überall.

Die Weltklasseradfahrerin Annemiek van Vleuten stürzte schwer als sie beim olympischen Straßenrennen in Führung liegend bergab fuhr. Eine der ersten Antworten auf ihren Tweet, dass es ihr nach dem Sturz gut geht, war von einem Mann, der ihr erklärt hat wie man Rad fährt! “First lesson in bicycling, keep your bike steady … whether fast or slow.” – der Tweet ist mittlerweile offline.

Leute, was soll das? Frauen sind kein Beiwerk, sie müssen nicht hübsch sein und als solches bezeichnet werden und man erklärt ihnen nicht alles ungefragt. Alles was im Sport zählt, ist die Leistung. Im Jahr 2016 wäre es echt an der Zeit, dass Frauen endlich als das gesehen werden was sie sind. Eigenständige Menschen, die in jedem Bereich des Lebens hervorragende Leistungen erbringen.

Und zum Schluss ein Video von #CoverTheAthlete, das zeigt wie Männer antworten, wenn ihnen dieselben Interviewfragen gestellt werden wie Frauen: Und ja, das fühlt sich komisch an – und jetzt mal nachdenken, warum Frauen das gefragt werden.

Wer noch weiterlesen mag, hier ein Artikel aus dem Guardian „How to talk about female Olympians without being a regressive creep – a handy guide“ von Lindy West.

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