Kategorien
Friends & Gruppen Sisters & Friends

Velonistas – Berlin

Im Juni 2013 gründete sich in Berlin das Frauen-Rennrad-Amateur-Team Velonistas. Bei diversen Rennen machten die 10 Teammitglieder durch gute Platzierungen auf sich aufmerksam. Mittlerweile bildete sich eine kleine Gemeinschaft radsportinteressierter Frauen (und Männer) rund um die Velonistas, die ihren 2. Geburtstag am 13. Juni 2015 mit einer gemeinsamen Ausfahrt gebührlich feierten.

 

Regine Heidorn: Cornelia Brückner, doppelte Berliner Meisterin 2015, fährt im Frauen-Amateur-Team Velonistas Berlin. Am 13. Juni werden die Velonistas ihren 2. Geburtstag mit einer Frauen-Ausfahrt feiern. In den 2 Jahren hat sich Einiges getan – Conny, kannst Du einen kurzen Überblick geben?

Cornelia Brückner: Ja, also seit unserer Gründung ist eine Menge passiert. Angefangen haben wir als 4er Team. 4 Radsportlerinnen aus verschiedenen Vereinen in Berlin, die es einfach leid waren immer gegeneinander zu fahren und nie gemeinsam.
Nach und nach sind dann mehr Fahrerinnen dazu gekommen. Einmal weil wir natürlich Aufmerksamkeit auf uns gezogen haben und die anderen nachgefragt haben, ob sie bei uns mitfahren könnten und dann haben wir selbst einfach geschaut, welche Frau passt noch gut ins Team. Jetzt sind wir 10 und das ist eine gute Zahl.
Zu unserem Rennprogramm kam dann nach und nach der ganze Community Aspekt. Das war alles gar nicht so geplant hat sich aber ergeben. Einmal durch Tinas Krebserkrankung. Ihr war es von Anfang an wichtig, dafür Aufmerksamkeit zu schaffen und zu zeigen, dass Sport und ein gutes Team hilft, solche Schicksalsschläge zu überwinden. Deshalb haben wir von Anfang viele Aktionen in der Richtung gemacht: wir haben an Veranstaltungen wie dem Pink Ball teilgenommen, waren beim Pink Ribbon Ride dabei, haben Spenden gesammelt. Das hat schnell Wirkung gezeigt und viele andere Frauen fanden das gut.
Und natürlich liegt uns der Frauenradsport am Herzen. Als wir angefangen haben, haben wir öffentliche Trainingsfahrten einmal pro Woche samstags oder sonntags gemacht. Das war ganz am Anfang im Winter – und es ist niemand gekommen. Wir sind jedes Mal nur unter uns gefahren und hatten die Sache schon aufgegeben. Bis dann im Sommer nach dem ersten Women`s 100 – bei dem 40 Frauen mit uns gefahren sind (und wir wussten nicht, wo die plötzlich alle herkamen und waren total von den Socken) – plötzlich regelmäßig so 20 Frauen am Treffpunkt standen. Und seitdem sind unsere Rides eine regelmäßige Veranstaltung, zu der immer so 20-40 Leute kommen. In der Mehrzahl sind es immer Frauen und wir machen auch abwechselnd immer noch reine Frauenausfahrten. Aber bei so einer Anzahl an Mitfahrerinnen muss das natürlich alles gut geplant sein. Aber wir sind da tatsächlich ein bisschen stolz drauf und es macht uns immer wieder Riesenspaß, wenn wir mit so einer Gruppe durch Berlin und das Umland fahren.

Foto: Cycling Sport Foto, Velonistas.
Foto: © Cycling Sport Foto, Velonistas.

RH: Im 1. Jahr habt Ihr neben den Velonistas-Rides vor allem durch viele Renn-Erfolge auf Euch aufmerksam gemacht. Die Rennen, die Ihr gefahren seid waren teilweise reine Jedefraurennen, teilweise gemischt. So manchen 1. Platz habt Ihr quasi geschenkt bekommen, weil Ihr als einziges Frauenteam angetreten seid. Wie siehst Du die derzeitige Situation im deutschen Frauenradsport?

CB: Leider hat sich die Situation noch nicht sehr verbessert. Es liegt aber auch im Besonderen an der Berliner/Brandenburgerszene. Hier gibt es einfach kaum Lizenzrennen für Frauen und Jedefrauenrennen so gut wie gar nicht. Dieses Jahr sind im Vergleich zum letzten Jahr auch noch 2 sehr schöne Veranstaltungen weggefallen (das Frauenrennen in Kladow und das Lizenzrennen in Obergurig). Und ich kann den Veranstaltern da auch keinen Vorwurf machen. Es sind zu wenig Frauen am Start. Aber es ist auch ein Teufelskreis. Je weniger Frauenrennen es gibt, desto mehr schwindet bei Frauen natürlich die Chance, einfach mal ein Rennen in einem reinen Frauenfeld zu fahren. Und wenn ich gerade den Sport für mich entdeckt habe, will ich natürlich nicht gleich bei den Männern herumrasen. In anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Bayern sieht es da wesentlich besser aus. Aber allgemein geht der Trend leider nach unten. Obwohl es im Widerspruch zur allgemeinen Entwicklung steht, es fahren einfach immer mehr Frauen Rennrad und die wollen eben nicht zum nächsten Picknick-Platz fahren, sondern richtig trainieren und auch Rennen fahren.

RH: Im Gegensatz zum letzten Jahr steht bei den Velonistas dieser Tage die Community-Pflege und das Engagement für bzw. gegen Brustkrebs im Vordergrund. Die von Euch organisierten Rides haben guten Zuspruch gefunden. Gleichzeitig hat es personell ziemliche Veränderungen gegeben – in diesen flexiblen und schnelllebigen Zeiten ist es vermutlich ein permanenter Balance-Akt, ein gut funktionierendes und verlässliches Team auf die Beine zu stellen?

CB: Ja, da sagst du ein wahres Wort, Regine. Auch wir haben ziemlich damit zu kämpfen das Team zusammen zu halten. Das ist ja ganz klar. Auch weil natürlich jede von uns unterschiedliche Möglichkeiten hat, sich einzubringen. Und dann gibt es natürlich auch immer mal wieder Veränderungen. Letztes Jahr ist Dana aus Berlin weggezogen und dieses Jahr geht auch Yvonne und Taide. Und über die Distanz ist es schwierig so eine Teamdynamik aufrechtzuerhalten, mal davon abgesehen, dass wir uns auch als Team mit regionaler Verankerung präsentieren möchten.

Velonistas Berlin
Foto: © Gerald Steffen, Velonistas 2014

RH: Folglich lässt sich schwer etwas darüber aussagen, wohin sich die Velonistas im Jahr 3 ihres Bestehens entwickeln werden?

CB: Naja. Eins ist für uns natürlich klar: wir wollen weiter machen! Und eigentlich genauso wie bisher. Einerseits also mit vielen Einsätzen bei den regionalen Rennen und anderseits mit unserem Engagement und dem Aufbau der Community. Klar, das ist nicht immer einfach und dieses Jahr sind wir viel weniger bei den Rennen unterwegs, weil es eben die personellen Veränderungen gibt und einige von uns durch Verletzungen und berufliche Entwicklungen nicht so einsatzfähig sind. Aber dafür sind wir dieses Jahr eben mehr auf den weniger rennorientierten Veranstaltungen unterwegs. Und wir rekrutieren im Hintergrund schon junge, hochmotivierte Fahrerinnen, die nächstes Jahr denn Rennzirkus aufmischen werden 😉

RH: Conny, besten Dank für das Interview und – Happy Birthday Velonistas Berlin!

Das Interview führte Regine Heidorn – Vielen Dank!

Die Velonistas sind auf Ihrer Website und auf Facebook zu finden.

Weitere Beiträge über die Velonistas findet Ihr auf diesen Seiten:

http://www.rosegarden-mag.de/zerstreuung/niemals-aufgeben
http://www.rosegarden-mag.de/zerstreuung/waermetauscher-velonistas
http://www.rosegarden-mag.de/zerstreuung/komm-bleib-an-meinem-hinterrad-die-velonistas-blicken-zurueck-auf-die-saison-2014
http://www.rosegarden-mag.de/zerstreuung/wir-sind-teil-einer-community-geworden

Merken

Subscribe
Benachrichtige mich bei:
guest
1 Kommentar
älteste
neueste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments
trackback

[…] gab`s ein sehr schönes Interview Berghoch2 – Damen Fahrrad Magazin. Das Interwiew findet ihr hier. Vielen Dank an Regine Heidorn, die das Interview mit uns geführt […]