Bike-Portrait Anita Posch

Es mag eigenartig anmuten, aber in Ermangelung einer Interviewerin habe ich mich selbst portraitiert. Schließlich sollen alle wissen, wer für diese Seiten hauptverantwortlich ist. Vom Stil her nicht allzu ernst, dafür offen, ehrlich und ungeschminkt. So wie ich bin.

Seit ich Denken kann, fahre ich Rad. Oder denke ich seitdem ich radfahre? Na egal. Jedenfalls hatte das Rad immer eine große Bedeutung für mich. Mein Großvater war der einzige Radfahrer in der Familie. Er besaß ein rotes Puch Clubman mit Dreigangschaltung(!) und einem Tachometer. Meine Großmutter fuhr mit dem Rad zur Arbeit uns begleitete ihn auf Ausflügen, die sicher auch mal 80 km lang waren. Und das in diesem Outfit:

Rad Ausflug meiner Großeltern in den 80igern

Mein erstes Rad bekam ich zu Weihnachten, keine Ahnung mehr in welchem Jahr. Ich sehe auf dem Foto aus als wäre ich fünf. Es war ein knalloranges Rad aus der Tauschzentrale. Das war anno 1975 ein Laden – heute sind das Apps.

Auf diesem Rad lernte ich das Radfahren. Ich habe allerdings keine Erinnerung daran, wer mir wo die Stützräder abmontiert und den Schubser in die wackelige Freiheit gegeben hat. Wobei ich glaube ja, – Heldin meiner eigenen Kindheit – dass ich nie Stützräder hatte. Muss mal meine Eltern fragen.

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Jedenfalls war ich damals noch recht vertrauenseelig und habe mein Rad ab und an dem etwas „dickeren“ Nachbarskind geborgt. Möglicherweise hat sie es mir aber auch schlicht aufgrund ihrer körperlichen Überlegenheit weggenommen (das hätte ich dann verdrängt, weil – keine Erinnerung daran). Jedenfalls, eines Tages als ich den weiten Heimweg vom Nachbarskind nach Hause – cirka 100 Meter in einem kleinen Ort in Niederösterreich – aufnahm, mich auf den weißen (festen) Plastiksattel setzte, in die Pedale trat, passierte das Unglaubliche: das Rad brach in der Mitte auseinander. Ich kann mich bis heute erinnern wie ich die Hälften nach Hause trug, an der Haustür klopfte und es gleichzeitig in meinem Inneren klopfte, nervös, was wohl Mutter sagen würde, wenn sie mich mit den beiden Fahrradhälften sieht. Aber an ihre Reaktion kann ich mich nicht erinnern – weider einmal. Die Reaktion scheint nicht schlimm gewesen zu sein. Bis heute habe ich diesen Rückschlag nicht überwunden. (Scherz).

Allerdings gab es dann kein Kinderrad mehr für mich. Ich „durfte“ ab dann das Rad meiner Mutter benutzen. Die Geschichte dazu: meine Mutter arbeitete mit 18 Jahren in den Ferien in einer „Gurkerlfabrik“. Sie befüllte einen Monat lang den ganzen Tag Gläser mit Gurkerl. Dann hatte sie genug Geld, um sich dieses Rad zu kaufen. Das heisst, das Rad war Jahrgang 1968. Und es war mir dreimal zu groß. Eine zeitlang bin ich nur im Stehen gefahren. Das hielt mich nicht davon ab, die Böschungen und Waldwege der Umgebung unsicher zu machen. Es zog mich unweigerlich ins Gelände. Naturgemäß war das in den 80ern mit dem „Mutter-Rad-Material“ etwas anderes als heute. Heute werden Kindern Enduros mit 160 mm Federweg gekauft. Meine Güte wäre ich heute gerne Kind!

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Irgendwann hatte dieses Rad ausgedient. Ich habe ihm Ende der 80er ein neues Design gegeben, es rot lackiert. Nützte nichts. Es war einfach uncool und ich ging zum Studieren nach Wien. Ein neues Rad musste her. Anfang der Neunziger, die ersten Mountainbikes waren im Umlauf. Ich hatte nichts Besseres zu tun als mir ein Schnäppchen bei Donauland zu holen. Also eine Donauland-Mitgliedschaft abgeschlossen und als Prämie gab es ein orangenes Puch City Bike dazu. Die halbe Familie war plötzlich bei Donauland und wir hatten drei orange Citybikes. Fahrtechnisch ein Grauen. Ich nutzte es zum Fahren auf die Uni, aber es machte Null Spaß. Zudem habe ich Anfang der Neunziger viel Zeit in Krankenhäusern verbracht. Auf sieben Knie Operationen bin ich damals gekommen (Kreuzbandrisse, Meniskus), alles beim Handball Spielen passiert. Das war deprimierend. Das Handball Spielen und das Team fehlte mir. Diese Zeit war rückblickend meine unsportlichste Phase. Cirka 1994 dann: mein erstes Mountainbike! Ein Scott „Windriver“ in grün. Ohne Federgabel mit gebogenem Lenker. Lustigerweise dachte ich jahrelang, es hiesse „Wind-river“ bis mir einschoss, dass wohl „Win-driver“ gemeint war. Diese Erkenntnis schlug ähnlich ein wie jene, als ich realisierte, dass „Pullover“ ein englisches Wort ist und was das eigentlich heisst. Erinnerungen meines kindlichen Gemüts.

Mit Canyon in Südafrika

Den Windriver fahre ich heute noch. Es ist mein Stadtrad, wobei ihm das Salz der Straßen in den Wintermonaten gar nicht gut tut. Danach folgte ein Gary Fisher Mountainbike – immerhin schon mit Federgabel. 2006 bin ich damit mein erstes Mountainbike Rennen gefahren. Dem folgte mein erstes vollgefedertes Mountainbike ein Canyon Nerve XC 9.0 irgendwas mit 120 mm Federweg. Wow, das war ein Unterschied zum vorigen Bike. Plötzlich machten die Trails richtig Spaß und das Rad war so leicht! Der Leichtbau hatte auch Nachteile, zuerst waren die hochwertigen Bremsen kaputt und mussten durch neue ersetzt werden und danach waren die Mavic Felgen mit den geilen Messerspeichen hinüber. Mein Herz blutete. Wirklich. Mein geliebtes schönes Mountainbike war ein Schatten seiner selbst. Ich habe es dann verkauft. Über eine online Anzeige an irgendeinen Typen aus Kärnten. Wenige Wochen später ruft mich der Kerl wieder an und erzählt mir, dass er das Rad gerade bei einem Sturz geschrottet hat. Und ich so: Neeeein. Mein armes Rad. Noch ein paar Wochen später rief mich die Polizei an und fragte mich, ob der Typ mir wirklich das Rad abgekauft hat – weil sie glauben ihm das nicht. Dubiose Geschichte.

Dann kam das grüne Monster. Specialized Enduro Expert. 160 mm Federweg. Ich bin plötzlich gefahren wie eine junge Göttin. Trails, die mir vorher verwehrt waren, sie waren Mein! War aber auch anstrengend. Immer die gefährlichen Trails zu fahren. Sehr oft alleine. Zu der Zeit wohnte ich in Salzburg. Da gibt es entweder (für meine Begriffe) schwierige Trails oder langweilige Forststraßen.

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Über eine Freundin kam ich zum Rennrad fahren. Niemals, niemals dachte ich, dass mal eine Rennradfahrerin aus mir wird. Ich war durch und durch Mountainbikerin und nun das: das Rennrad fahren machte Spaß. Und alleine unterwegs zu sein, war kein Problem. Und ich musste das Rad im Vergleich zum Mountainbike auch nicht JEDESMAL nach einer Ausfahrt putzen. Und der Verschleiß bei einem Rennrad ist viel geringer, d.h. es gibt fast Null laufende Kosten. Rennrad fahren war – leider geil.

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Und jetzt habe ich das Bahnrad fahren ausprobiert.

Und jetzt hätte ich gern ein Cyclocross Rad…. ach ja und einen neuen Hometrainer und Zwift ausprobieren.

Und nein: das hört nie auf. Habe erst vor ein paar Tagen dies auf Facebook gefunden:
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Und jetzt mal die radfahr-relevanten Fakten:

Ich, Anita Posch, geboren 1970 in St. Pölten, Niederösterreich. Mit dem Sport hatte ich immer etwas zu tun. Es fing mit dem Kleinkinder Turnen an, wo ich die Beste beim Völkerball war und immer alle abgeschossen habe. Ich war sicher sehr beliebt damals. Egal, ich habe es nicht bemerkt oder weggesteckt. Ab 12 war ich Leichtathletin und die Meisterin des provinziellen Kugelstoßens und Diskuswerfens. Mit 16 wurde ich immerhin österreichische Jugend-Staatsmeisterin in diesen Bewerben. Ich hätte trotz allem Tennis spielen gehen sollen, das hätte mir gesellschaftlich vielleicht mehr gebracht. Aber das war zu teuer. Siehe Tauschzentrale weiter oben. Ein wenig stolz bin ich auf meine Staatsmeistertitel schon, ich gebe es ja zu. Mit 19 bin ich dann zum Handball gewechselt. Ergebnis: viele schöne Erinnerungen, eine zeitlang vollfit durch fünfmal Training pro Woche und dazu die Spiele in der Österreichischen Staatsliga. Eine tolle Zeit. Abgesehen von den sieben Knie Operationen.

Letztlich waren die lädierten Kniegelenke der Grund, warum ich überhaupt intensiver zu Radfahren begann. Mit der starken Arthrose konnte und kann ich nichts anderes machen. Laufen, njet. Tennis, njet. Squash, NJET. Volleyball, njet…etc pp. Zur Auswahl gab mir meine damalige Physiotherapeutin – Lisi Bosina, sie lebe hoch, weil sie meine Knie gerettet hat! – Rudern, Schwimmen (aber ja nicht Brustschwimmen) und Radfahren. Als passionierte Ballspielerin kam mir das alles total öde vor. Die drei langweiligsten Sportarten der Geschichte. Zum Kajak fahren aka Wildwasserpaddeln hatte ich nicht den Nerv, allein der Gedanke an eine Eskimo-Rolle ließ und lässt mich erschaudern.

Anfang der neunziger Jahre sammelte ich journalistischen Erfahrungen als Mitarbeiterin der Sportredaktion der Niederösterreichischen Nachrichten. Anfangs auf der Schreibmaschine geschrieben, irgendwann kam dann das erste Terminal oder wie das hieß, die Telefonhörer hatten Kabel. Wie es scheint hat meine Ader zum Veröffentlichen von und in Medien nie aufgehört zu schlagen. Die orangenen Räder meiner Jugend resultieren (zufällig) in den Logo Farben der BIKESISTERS. Und schwupps – wir sind im Heute.

Wer bis hier gelesen hat, scheint wirklich interessiert zu sein. Das ehrt mich.

Und sonst so? Ich habe Raumplanung und Raumordnung an der TU Wien studiert. Daher rührt mein Interesse an menschengerechter Verkehrsplanung und sicher auch meine Fahrradliebe. Die Dinger sind einfach so praktisch im Stadtverkehr. Danach habe ich die Ausbildung zur Multimedia Producerin am SAE Wien gemacht. Das Internet war auch in Österreich angekommen und ich wollte dabei sein. Mehr als dabei. Daher habe ich 2000 meine Selbstständigkeit als Webdesignerin begonnen. Seit damals habe ich immer im Bereich E-Business, E-Commerce, Online Marketing gearbeitet, als Geschäftsführerin der querform.at – projekte & design OG und als E-Commerce Managerin in großen Unternehmen. 2011 habe ich die Ausbildung zur Diplom Mountainbike Guide*in absolviert und seit März 2016 bin ich Diplom Mentaltrainerin. Warum und wieso ich 2016 die BIKESISTERS gegründet habe, kannst Du hier nachhören oder in Kurzform lesen.

Was ich als E-Business Beraterin für Dein Unternehmen tun kann.

erstes Rad: 1975
erstes Mountainbike: 1994
erstes Mountainbike Rennen: 2006
Mountainbike Guide: 2011
MTB-Fahrtechnik Trainings durchgeführt: 2011, 2012, 2013
erstes Rennrad: 2012
Diplom-Mentaltrainerin: 2016
erstes Rennrad-Rennen: 2016
erstes Bahnrad: ?
erstes Cyclocross Rad: bald hoffentlich

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4 Kommentare auf "Bike-Portrait Anita Posch"

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Corinne Wilhelm
Gast

Auch für mich war meinen Fahrrad eine ständige Begleiter, bis Berlin. Irgendwie hier in Berlin verbringen wir nicht so viel Zeit zusammen, ist Schade und ich glaube das es daran liegt das meinen Scott MTB in Keller zu Hause ist. Bald werde ich den Fahrrad meines Sohnes übernehme, vielleicht dann geht es los, mal sehen…

CEEA
Gast
Sehr schöne Geschichte. Dieser Blog ist hiermit abonniert und passt neben ketterechts gut in meine Timeline. Du hast ja schon einiges erlebt und viel ausprobieren (dürfen). Genial! Zu deiner Rad-Entwicklung. Hast einiges durchgemacht und bei so manchen Punkten fand ich mich wieder. 🙂 Fährst du regelmäßig MTB-Rennen? Unser allererstes war gleich mal die Salzkammergut Trophy und wir sind ins Ziel gekommen. Trotz über 2h Regen bei über 4h Fahrzeit und unzähligen Höhenmetern, heftigen Streckenabschnitten, vielen Stürzen und damit verbundenen Ausfällen. Bei über 1400 Starter waren wir am Ende auf Platz 700 und darauf sind wir bis heute stolz. Den Weg… Weiterlesen »
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